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Franz von Stuck

Franz Stuck, geboren 1863 im niederbayerischen Tettenweis als Sohn eines einfachen Dorfmüllers, legte eine steile Karriere hin, die man wohl als das klassische Märchen vom Tellerwäscher zum Kunstfürsten bezeichnen könnte. Nach seiner Ausbildung an der Königlichen Kunstgewerbeschule und der Münchner Kunstakademie feierte er zunächst große Erfolge als geschickter Zeichner und Karikaturist für Zeitschriften wie die "Fliegenden Blätter". Der große Durchbruch als Maler gelang ihm 1889, als er im Münchner Glaspalast für seine Werke eine Goldmedaille gewann. Als Mitbegründer der Münchner Secession im Jahr 1892 rebellierte er gegen den starren Akademismus. Spätestens mit seinem berühmten, dunkel-erotischen Gemälde "Die Sünde" von 1892 brannte sich sein Name tief in das Gedächtnis der Kunstwelt ein.

Ab 1895 unterrichtete Stuck als angesehener Professor an der Münchner Akademie und prägte dort eine beeindruckende Generation von Avantgardisten – darunter spätere Größen wie Wassily Kandinsky, Paul Klee und Josef Albers. Stuck beschränkte sich keineswegs nur auf die Malerei und Bildhauerei; er strebte nach dem idealen Gesamtkunstwerk. Auf der Pariser Weltausstellung im Jahr 1900 gewann er eine Goldmedaille für die von ihm selbst entworfenen Möbel seiner pompösen Residenz, der berühmten Villa Stuck in München. Auch den passenden Rahmen für seine mythologischen und symbolistischen Gemälde gestaltete er akribisch selbst. Der gesellschaftliche Aufstieg gipfelte 1905 beziehungsweise 1906 in der Verleihung des Verdienstordens der Bayerischen Krone und der Erhebung in den persönlichen Adelstand als Ritter von Stuck.

In seinen späten Jahren und nach dem Ersten Weltkrieg galt sein üppiger, symbolistischer Stil bei der jüngeren Generation zunehmend als altmodisch. Dennoch blieb er eine hochgeschätzte Persönlichkeit des Münchner Kulturlebens bis zu seinem Tod am 30. August 1928. Stuck wurde auf dem Münchner Waldfriedhof an der Seite seiner Frau Mary beigesetzt. Heute erfährt sein Werk als eine der zentralen Säulen des Jugendstils und Symbolismus wieder weltweite Anerkennung, und seine prächtige Villa dient als beliebtes Museum.

Interessanter Fakt:

Franz von Stuck nahm noch im Jahr seines Todes als Bildhauer an den Kunstwettbewerben der Olympischen Sommerspiele 1928 teil.