{"title":"Willi Baumeister","description":"\u003cp\u003eWilli Baumeister, geboren am 22. Januar 1889 im beschaulichen Stuttgart, war keineswegs für ein leises, unauffälliges Künstlerdasein bestimmt. Als Sohn eines königlichen Hofkaminfegermeisters und einer Mutter aus einer traditionsreichen Dekorationsmaler-Familie lag ihm das Hantieren mit Ruß, Farben und Strukturen gewissermaßen im Blut. Nach einer handfesten Lehre zum Dekorationsmaler und ersten Gehversuchen an der Stuttgarter Kunstakademie zog es den jungen Baumeister rasch in die Welt der Avantgarde. Zusammen mit Weggefährten wie Oskar Schlemmer mischte er die Kunstszene auf und gründete 1919 die berühmte Üecht-Gruppe. Baumeister blieb nicht bei klassischer Leinwandmalerei stehen: Er experimentierte mit neuartigen Mauerbildern, fügte seinen Pigmenten Sand und Kitt hinzu und entwickelte eine unverwechselbare, klare Formensprache zwischen Geometrie, Typografie und Abstraktion, die ihm internationale Anerkennung einbrachte.\u003c\/p\u003e\n\n\u003cp\u003eDer künstlerische Aufstieg setzte sich fort, als er 1928 an die renommierte Frankfurter Städelschule als Professor für Gebrauchsgrafik und Typografie berufen wurde. Doch mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten endete der akademische Höhenflug abrupt: 1933 wurde Baumeister aus dem Lehramt entlassen, seine Werke wurden wenig später als „entartet“ gebrandmarkt und aus zahlreichen Museen beschlagnahmt. Es folgte das bitteren Mal- und Ausstellungsverbot. Baumeister zog sich in die sogenannte „Innere Emigration“ zurück. Im Verborgenen forschte er unermüdlich weiter, ließ sich von prähistorischen Felszeichnungen, afrikanischer Skulptur und alten Epen wie dem Gilgamesch-Epos inspirieren und verfasste seine bahnbrechende Kunsttheorie „Das Unbekannte in der Kunst“, die jedoch erst nach Kriegsende erscheinen konnte.\u003c\/p\u003e\n\n\u003cp\u003eNach 1945 feierte Willi Baumeister ein glanzvolles Comeback und wurde zu einer der einflussreichsten Schlüsselfiguren der europäischen Nachkriegskunst. Als Professor an der Stuttgarter Kunstakademie und Mitbegründer der Künstlergruppe ZEN 49 verteidigte er vehement die moderne, abstrakte Kunst gegen konservative Anfeindungen. Seine Spätwerke – von organisch-schwungvollen Gebilden bis hin zu dicht gepackten Abstraktionen wie der berühmten Montaru- oder ARU-Serie – zeugen von einer unerschöpflichen Schöpfungskraft. Bis zu seinen letzten Lebensmomenten blieb er seiner Leidenschaft treu und hinterließ ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk, das die Abstraktion der Moderne maßgeblich prägte.\u003c\/p\u003e\n\n\u003ch3\u003eInteressanter Fakt:\u003c\/h3\u003e Willi Baumeister verstarb am 31. August 1955 vollkommen buchstäblich im Dienst der Kunst: Er erlitt in seinem Stuttgarter Atelier einen Herzinfarkt und verstarb mit dem Pinsel in der Hand direkt vor seiner Staffelei.","products":[],"url":"https:\/\/www.articelli.com\/no\/collections\/willi-baumeister.oembed","provider":"Articelli","version":"1.0","type":"link"}