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John Everett Millais
Sir John Everett Millais wurde 1829 in Southampton geboren, wuchs jedoch vorwiegend auf der Kanalinsel Jersey und in Frankreich auf. Schon in frühester Kindheit offenbarte sich sein außergewöhnliches zeichnerisches Talent. Gefördert von seiner ehrgeizigen Mutter zog die Familie nach London, wo das Wunderkind 1840 im zarten Alter von nur elf Jahren an den renommierten Royal Academy Schools aufgenommen wurde – ein bis heute unübertroffener Rekord. Im Jahr 1848 gründete er gemeinsam mit William Holman Hunt und Dante Gabriel Rossetti die berühmte Präraffaelitische Bruderschaft. Diese jungen Rebellen lehnten die erstarrten akademischen Konventionen ab und strebten nach einer Rückkehr zur akribischen Naturtreue und visuellen Klarheit der Kunst vor Raffael. Mit leuchtenden Farben und erstaunlicher Detailtreue schuf Millais bahnbrechende Werke wie „Christus im Hause seiner Eltern“ oder „Ophelia“. Ersteres löste wegen seiner kompromisslos realistischen Darstellung der heiligen Familie einen gewaltigen Skandal aus und rief sogar die scharfe Kritik von Charles Dickens hervor.
In den 1850er Jahren nahm das Leben des Künstlers sowohl privat als auch beruflich eine spektakuläre Wendung. Der einflussreiche Kunstkritiker John Ruskin hatte die Präraffaeliten stets verteidigt und lud Millais 1853 nach Schottland ein. Dort lernte der Maler Ruskins Ehefrau Euphemia „Effie“ Gray kennen. Als Effie für Millais’ Gemälde „The Order of Release“ Modell stand, verliebten sich die beiden ineinander. Da die Ehe zwischen Ruskin und Effie nie vollzogen worden war, wurde sie 1854 offiziell annulliert. Bereits 1855 heirateten Millais und Effie, was in der gesellschaftlich konservativen viktorianischen Epoche für erhebliches Aufsehen und Klatsch sorgte. Das Paar bekam im Laufe der Jahre acht gemeinsame Kinder. Effie erwies sich dabei nicht nur als Ehefrau, sondern auch als geschickte Promoterin seiner Kunst, die maßgeblich zum Ausbau seines gesellschaftlichen Netzwerks beitrug.
Mit der wachsenden Familie veränderte Millais auch seinen Malstil grundlegend: Er wandte sich vom zeitaufwendigen Präraffaelismus ab und entwickelte eine breitere, realistischere Technik sowie eine Vorliebe für Historienbilder und Porträts prominenter Persönlichkeiten. Dieser Wandel machte ihn zu einem der reichsten und erfolgreichsten Maler seiner Zeit, zog jedoch auch Kritik nach sich. Kritiker wie William Morris beschuldigten ihn des kommerziellen Ausverkaufs, insbesondere als sein Gemälde eines Seifenblasen blasenden Kindes („Bubbles“) von der Firma Pears als Werbemotiv für Seife genutzt wurde. Dennoch blieb seine Anerkennung unanfechtbar: 1885 verlieh ihm Königin Victoria als erstem bildenden Künstler überhaupt einen erblichen Baronet-Titel. Im Jahr 1896 wurde er schließlich zum Präsidenten der Royal Academy gewählt, starb jedoch wenig später an Kehlkopfkrebs und wurde in der St Paul’s Cathedral beigesetzt.