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Alexej von Jawlensky

Alexej von Jawlensky, geboren um 1864 im russischen Kuslowo, war keineswegs von Geburt an für die Leinwand bestimmt. Die Familientradition rief nach Säbel und Uniform, weshalb der junge Alexej zunächst eine klassische Offizierslaufbahn einschlug. Doch die Kunst hat bekanntlich ihren eigenen Kopf: Ein Besuch der Allrussischen Industrie- und Kunstausstellung in Moskau im Jahr 1882 veränderte alles. Jawlensky verliebte sich Hals über Kopf in die Malerei und schulte seine Fähigkeiten fortan als Autodidakt in der Tretjakow-Galerie. Durch geschickte Versetzungen gelangte er an die Petersburger Kunstakademie, wo er schließlich auf den berühmten Maler Ilja Repin traf. Dieser vermittelte ihn an die wohlhabende Baronin Marianne von Werefkin, die in ihm das Zeug zu einem großen Künstler erkannte und zu seiner bedeutenden Mäzenin wurde.

Im Jahr 1896 kehrte der frischgebackene Ex-Militär Russland den Rücken und zog gemeinsam mit Werefkin sowie deren jungem Dienstmädchen Helene Nesnakomoff nach München. Im dortigen Künstlerviertel Schwabing entwickelte sich Jawlenskys Atelier schnell zum lebendigen Treffpunkt der Avantgarde. Hier tauchte er tief in die Welt der leuchtenden Farben ein, inspiriert von Paul Cézanne und den Nabis. Gemeinsam mit Wassily Kandinsky, Gabriele Münter und Marianne von Werefkin verbrachte er prägende Sommermonate in Murnau. Obgleich er der berühmten Künstlervereinigung „Der Blaue Reiter“ nahestand und eng mit ihren Köpfen befreundet war, ging er stets seinen ganz eigenen, farbgewaltigen Weg in der expressionistischen Porträt- und Landschaftsmalerei.

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs machte dem Münchner Leben ein abruptes Ende. Als russische Staatsbürger wurden Jawlensky und seine Gefährten ausgewiesen und emigrierten in die Schweiz. In St. Prex und Ascona wandelte sich sein Stil grundlegend: Aus den farbexplosiven Porträts entwickelten sich die seriellen „Variationen über ein landschaftliches Thema“ sowie die geheimnisvollen „Mystischen Köpfe“. Nach dem Krieg trennte er sich von Werefkin, zog nach Wiesbaden und heiratete 1922 Helene. Kunsthistorisch blieb er am Puls der Zeit: 1924 gründete er zusammen mit Paul Klee, Wassily Kandinsky und Lyonel Feininger die legendäre Ausstellungsgemeinschaft „Die Blauen Vier“, um ihre Werke vor allem in den USA zu vermarkten.

Die späten Jahre Jawlenskys waren von schweren Schicksalsschlägen geprägt. Ab 1927 litt er an fortschreitender rheumatischer Arthritis, die zu Lähmungen führte. Dennoch ließ er sich den Pinsel nicht aus der Hand nehmen: Er wandte sich streng abstrahierten, kleinformatigen Gesichtern zu, den sogenannten „Meditationen“, bei denen wenige dunkle Linien das menschliche Antlitz zu ikonenhaften Andachtsbildern verdichteten. Unter dem NS-Regime erhielt er Ausstellungsverbot, und Dutzende seiner Werke wurden als „entartete Kunst“ beschlagnahmt. Bis zu seinem Tod im Jahr 1941 in Wiesbaden schuf er trotz schwerster körperlicher Leiden ein eindrucksvolles Spätwerk von zeitloser Schönheit.

Interessanter Fakt:

Jawlensky schmückte sich zeitlebens gerne mit dem Adelsprädikat „von“, obwohl Wassily Kandinsky öffentlich bezweifelte, dass ihm dieser Titel überhaupt zustand. Tatsächlich nutzte Jawlensky das „von“ keineswegs durchgängig – auf dem Emaille-Schild seiner eigenen Malschule sowie auf seinen Münchner Visitenkarten stellte er sich ganz schlicht ohne Adelsprädikat vor!